Faschingshochzeit - Ehe nur von kurzer Dauer

2. März 2019
Die Faschingshochzeit in Poxau endet mit einem Busserl für den Falschen

Poxau. (ez) Eine Hochzeit aus Liebe, Geld spielte keine Rolle, die Taufe ist in sechseinhalb Monaten geplant und dann kam doch alles ganz anders.

Die vier Vereine, der EC Poxau, die Feuerwehr Poxau, die Hoizboh-Scheiber Aiglkofen und der Obst- und Gartenbauverein Aiglkofen hatten nach sieben Jahren wieder zur Faschingshochzeit eingeladen. Ein Spektakel, das seinesgleichen sucht, fand am Dorfplatz statt und zahlreiche Gäste wollten natürlich live dabei sein. Die liebliche aber nicht mehr ganz so jungfräuliche „Annamierl Dreckschlätter vom hintern Stolldierl“ und der Jüngling „Gustl vom Schleissnhof unterhoi da Odlgruam“ gaben sich das am Misthaufen das Ja-Wort.

Schon beim traditionell bayerischen Weißwurstfrühstück stellte sich raus, dass die Aufregung groß ist. Gekommen war natürlich alles was Rang und Namen hatte und auch so manche „rassige Dame“ war an diesem Tag auf „Männerfang“. Max Nusser spielte zünftig auf und führte schließlich den „Kirchenzug“ an. Etwas verspätet kamen „Pfarrer Dumm Promillo“ und sein „Mesner Lars Dragerl“ am Ort des Geschehens an, sie mussten noch etwas an der Predigt schleifen. Und die war nicht ohne! Vorab aber kam der Hinweis, dass aufgrund der Luftverschmutzungen im Lande künftig auf Kerzen und Weihrauch verzichtet wird.

Schon eingangs stellte der Prediger fest, dass es eine Trauung aufgrund menschlicher Triebe ist.Während die Annamierl (Michael Sauer) mit ihrem Vier-Achser-Gespann allen möglichen Dreck herumkutschiert, scheint der Bräutigam Gustl (Nina Grassinger) seine Viecher zum Nachbarn zu Treiben, damit seine „Miststod“ sauber bleibt. Kennengelernt hatte sich das Paar übrigens bei einer Prozession durch den Ort - Liebe auf den ersten Blick und eine überaus schwache Stund´. Und wenn schonmal so viele die „Kirche“ besuchen, dann nutzte der Prediger auch die Gelegenheit, um manch kritisches Wort anzubringen.Die neue Straße bei Marklkofen scheint eher ein Kunstwerk geworden zu sein und der Eder-Wirt könnte zum Wellness-Hotel umgebaut werden. Hier könnten gestresste Manager beim Eiersuchen beim Eierbaron entspannen. Aber auch die apokalyptischen Schneemengen in diesem Winter, die ganze Wohnviertel von der Außenwelt abgeschnitten haben, kamen zur Sprache.

Schließlich kam er aber zum eigentlichen Grund der Veranstaltung zurück und traute das verehrte Paar. Ringe der Marke „Schlauchschellen“ wurden mit dem Schraubenzieher fixiert und ein leidenschaftlicher Kuss obendrauf besiegelte schließlich diesen Bund. Mit eher weltlichem Liedgut leitete man über zu den Fürbitten.Eine erfolgreiche Hochzeitsnacht, ausreichend Verpflegung für die Feier, Schneepflüge, die alle Ortsteile anfahren, Mitleid für die Borkenkäfer, denen sämtliche Lebensgrundlage entzogen wird, gerade Straßenbauten in der Gemeinde - die Bitten waren durchaus verschieden, aber verständlich und fanden von Seiten der Bevölkerung vollste Zustimmung. Mit dem „Bier-Unser“ setzten man den Schlusspunkt der Trauung, bei der natürlich auch „bayerischer Messwein“ in Form einer überdimensionalen Goaßmaß getrunken wurde.

Die zünftige Hochzeitsgesellschaft zog einmal quer durch den Ort und war bester Laune. Der Brautwalzer durfte natürlich auch nicht fehlen, wer in dieser Ehe das Sagen hat, war dabei schnell ersichtlich. Die Verwandtschaft gratulierte brav beim Schenken – die Bräutigamseltern Walle und Jag vom ned gramtn Klosterhof freuten sich, dass ihr Bursch endlich „eine dawischt hod“.Die Brauteltern Kreszens Kunigunde von da Huawareim und Schneider Tschok waren sichtlich gerührt über die Vermählung ihrer liebreizenden Tochter. Der Rest der Verwandtschaft freute sich einfach, dass es wieder mal einen Grund zum Feiern gab. Mit seinen Gstanzln tischte der „Prokroda“ Niedermeier Ott vom Leitner-Hof (Thomas Bachmeier) gewaltig auf.

Schließlich kamen auch die Frontenhausener Schäffler zu Besuch und tanzten zur Freude aller Besucher auf.Auch das werte Brautpaar schloss sich kurzerhand mit an und versuchte sich an den Tanzschritten, wobei die Braut erst nach dem tänzerischen Talent suchen muss. Und so feierten alle gemeinsam zünftig weiter. Leider stellte sich heraus, dass die Braut zu zünftig und ausgelassen feierte. Hat sie doch glatt vergessen, dass sie jetzt fest vergeben und verheiratet ist.Zu späterer Stunde wurde sie mit ihrem „Verflossenen inflagranti“ erwischt, so dass Pfarrer Dumm Promillo die geschlossene Ehe noch am selben Tag annullierte.